"Jede historische Epoche hat ihre eigenen künstlerischen Ausdrucksformen, die dem politischen Charakter der Zeit, ihrem Denken und ihrem Geschmack entsprechen. Geschmack ist kein unerklärbarer Ausdruck der menschlichen Natur. Er bildet sich vielmehr an den Lebensbedingungen aus, die auch die Sozialstruktur in jeder Phase ihrer Entwicklung prägen. (...) So erzeugt jede Gesellschaft, weitgehend durch ihre Lebensweisen und Traditionen selbst, bestimmte künstlerische Ausdrucksformen, die nun ihrerseits ihre Zeit widerspiegeln."

Gisele Freund: Photographie und Gesellschaft (Rogner und Bernhard, München 1974)

Unendliche Möglichkeiten

Gibt es eine vorherrschende Kunstform in unserer Zeit? Ich sage nein, aber es mag Tendenzen geben, Verschiebungen im Schwerefeld unserer visuellen Wahrnehmung, Neubeurteilungen bildlicher Inhalte, die auf zunehmender Technisierung und medialer Absättigung basieren. Man denke an die enorme Zunahme computergenerierter visueller Effekte in Film und Fernsehen, die mit der rasanten Entwicklung der Informationstechnologie Hand in Hand ging. Und vielleicht ist das Publizieren im Internet selbst bereits eine Kunstform. Dort draußen in den Weiten des Netzes gibt es tatsächlich Designer, deren geniale visuelle Ideen den Code selbst zur Kunstform erhöhen.

In jedem Fall ist das Internet ein höchst demokratisches Medium - wenn man so dunkle Gegenden wie das gegenwärtige China mal nicht beachtet. Jeder kann alles lesen, jeder kann, günstig bis umsonst, alles publizieren, so lange man sich an ein minimales Regelwerk hält. Und das ist gut so, auch wenn die zunehmende Anzahl von Inhalten nicht notwendigerweise in eine Erhöhung der Qualität mündet.

Mein erster Kontakt mit dem Internet fand Mitte der Neunziger Jahre statt und leitete für mich einen Paradigmenwechsel ein. Mit dem Computer hatte ich endlich ein Werkzeug gefunden, mit dem ich jene Bilder realisieren konnte, bei denen ich mit den traditionellen Techniken an die Grenzen meiner Fähigkeiten kam. Und mit dem Internet hatte ich ein Werkzeug, mit dem ich meine Arbeiten einem größeren Publikum vorstellen konnte. Was gleichzeitig mit einem enormen Motivationsschub einherging.

Und plötzlich war alles möglich...

Auf diesen Seiten...

... erwarten Euch Galerien aus den verschiedensten Bereichen meines kreativen Schaffens. Zum einen zeige ich Euch rein digitale Arbeiten, die mit den verschiedensten 2D- und 3D-Programmen entstanden sind. Zum anderen findet Ihr auch Bleistift- und Tuschezeichnungen, sowie Enkaustik-Arbeiten, die ich als analoge Arbeiten zusammengefasst habe. Außerdem präsentiere ich einige Fotoarbeiten, die allerdings - zum Teil sehr umfassend- am Computer bearbeitet wurden, so dass auch sie schon digital zu nennen wären. Ihr seht, die Grenzen sind fließend, genau wie die Grenzen zwischen äußerer und innerer Welt und der Grenze zwischen Welt und Spiegel...

Außerdem findet Ihr ein paar biografische Informationen über mich und wer mag, kann mir eine Email schreiben oder mich in meinem Weblaboratorium besuchen. Danke für Euren Besuch und Euer Interesse.

Gute Reise.

„Das Fenster zur Welt ist immer ein geschlossenes Fenster; es erlaubt, sich von der der Welt zu trennen. Hinter dem Fenster ist man etwas tot und etwas zeitlos. Von der Welt aus gesehen ist das Fenster auf die Welt immer verspiegelt, undurchsichtig. Das Fenster auf die Welt wirft das Bild der Welt wie ein Netz über sie. Das Bild hält die Welt gefangen.“

Jochen Gerz: Das wahre Fenster zur Welt, aus: Fotografie als Kunst, Kunst als Fotografie (Dumont, Köln, 1979)